Wartende Frauen
hr2 - Opernplatz - 17. Mai 1991 - 18h15-19h25 - Bernd Feuchtner
Musikfolge:
1. Monteverdi: Il ritorno d'Ulysse in patria
Klage der Penelope (1.Akt, 1.Szene)
Frederica von Stade
National Arts Centre Orchestra Ottawa
Maria Bernardi
Band 0-229 679 13'05
2. Fauré: Pénélope
Arie der Pénélope (2.Akt, 1.Szene)
Jessye Norman
Orchestre
Michel Plasson
Band 0-231 634 2'45
Achtung: ab 4'40 bis 7'34
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3. Verdi: Aida
Nilarie (3.Akt)
Leontyne Price
Orchester des Opernhauses Rom
Georg Solti
Band 0-28 451 6'39
Achtung: schnell ausblenden!
4. Verdi: Don Carlos
Arie der Elisabeth (5.Akt)
Montserrat Caballé
Orchester des Kgl. Opernhauses Covent Garden
Carlo Maria Giulini
Band 0-171 380 5'30
Achtung: ab 5'23
5. Lortzing: Der Waffenschmied
Arie der Marie (3.Akt)
Lotte Schädle
Orchester der Bayer. Staatsoper München
Fritz Lehan
Band 0-28 798 4'20
6. Beethoven: Fidelio
Arie des Florestan (2.Akt)
Jon Vickers
Orchester des Kgl. Opernhauses Covent Garden
Otto Klemperer
Platte Melodram MEL 407 5'05
Achtung: ab 5'35
7. Bizet: Carmen
Seguidilla (1.Akt)
Grace Bumbry
RSO Berlin
Janos Kulka
Band 0-22 197 1'49
8. Saint-Saëns: Samson et Dalila
Arie der Dalila (1.Akt)
Agnes Baltsa
SO des BR
Colin Davis
CD Philips 426 243-2 LC 0305 3'40
Achtung: cd 1, take 9 / schnell ausblenden!
9. Mozart: Le nozze di Figaro
Arie der Gräfin (3.Akt, Nr.19)
Lisa della Casa
Orchester der Wiener Staatsoper
Erich Kleiber
Band 0-93 886 4'30
Achtung: ab 1'38 bis 6'08
10. Adams: Nixon in China
Arie der Pat Nixon (2.Akt, 1.Szene)
Carolann Page
Orchestra of St.Luke's
Edo de Waart
Platte WEA Elektra Nonesuch 979 177-1 LC 0286 3'32
Achtung: schnell ausblenden!
11. Poulenc: La voix humaine
Ausschnitt
Denise Duval
Orchester der Opéra Comique Paris
Georges Prêtre
Band 107/3092/200 4'45s
Umschnitt von EMI 2C 065-12 052
Achtung: von 16'35 bis 28'05
abfahren um 19h13'15"
hr2 - Opernplatz - 17. Mai 1991 - 18h15-19h25 - Bernd Feuchtner
1. Monteverdi: Il ritorno d'Ulysse in patria (1641)
Klage der Penelope (1.Akt, 1.Szene)
Frederica von Stade
National Arts Centre Orchestra Ottawa
Maria Bernardi
Untröstlich, aber fest entschlossen, auf den verschollenen Gatten zu warten, und wenn es weitere zehn Jahre dauern sollte, bis er zurückkehrt - das ist Penelope, die treue Gemahlin des Odysseus, soeben verkörpert von Frederica von Stade. Gnadenlos sind die Freier, die Penelope umlagern. Sie wollen, dass sie sich einem von ihnen als neuem Gatten zuwendet. Penelope verfällt auf eine List. Sie bedingt sich eine letzte Arbeit aus, die sie sozusagen noch im Wartestand vollenden möchte: das Leichenhemd für ihren Schwiegervater Laërtes. Doch nachts trennt sie wieder auf, was sie tagsüber gewebt hat. So sitzt sie klagend am Meer und hofft auf die baldige Rückkehr des Odysseus.
Handeln kann sie nicht. Sie kann nur warten. Wird der Mann kommen? Oder muss sie sich einem anderen ergeben? Claudio Monteverdi hat dieses Frauenlos in seiner Oper "Il ritorno d'Ulysse in patria" 1641 - also vor genau 350 Jahren - zum ersten Mal auf die Opernbühne gebracht, aber natürlich in einer Oper, die von der strahlenden Rückkehr des Helden handelt. Zur Hauptfigur wurde Penelope erst in unserem Jahrhundert, in der Oper von Gabriel Fauré. Er schrieb "Pénélope" zwischen 1907 und 1912 und war bis zur Uraufführung am 4. März 1913 in Monte Carlo noch mit der Instrumentierung beschäftigt. Im Mai 1913 kam das Werk dann an der Pariser Opéra Comique heraus, aber der Durchbruch kam erst später und nur in Frankreich.
Dabei ist Faurés Oper nicht ohne Reiz. Eine zarte, keusche Frau, gequält von aufdringlichen Männern - das brachte schöne Musik hervor. Der erste Akt ist ganz allein dem Warten der Penelope gewidmet. Im zweiten kommt Odysseus unerkannt an, doch Penelope erfährt noch nicht, dass ihr Warten zuende geht. Im dritten Akt handelt endlich der Mann, schlachtet die Freier ab, ein letztes Mal muss Penelope warten, nachdem Odysseus die Freier in den Hof getrieben hat: "Was ist geschehen?", fragt sie, als es still wird, "Ist er tot?". Dann erst findet die Warterei ein Ende.
Wir hören jetzt Jessye Norman als Penelope. Zu Beginn des zweiten Aktes ist sie wieder hinuntergegangen ans Meer. "C'est sur ce banc", auf dieser Bank hab' ich mit ihm gesessen, erinnert sie sich - und wartet.
2. Fauré: Pénélope (1907-12)
Arie der Pénélope (2.Akt, 1.Szene)
Jessye Norman
Orchestre
Michel Plasson
Band vorproduziert 2'45
Das war Jessye Norman als Penelope in der gleichnamigen Oper von Gabriel Fauré. Viel haben die beiden Penelopes nicht gemeinsam. Bei Monteverdi gibt uns die Klage der Penelope am Anfang der Oper vor allem den Wunsch ein, den Helden baldmöglichst über seine Feinde siegen zu sehen. Bei Fauré genießen wir das Leiden der Frau so sehr, dass wir hoffen, Odysseus kommt niemals zurück, denn dann hätte der schöne Gesang ein Ende.
Doch glücklicherweise steht da am Ufer des Nil Aida - und wartet. Radames hat sie herbestellt. Sie weiß nicht warum, aber sie ist gekommen, denn sie liebt ihn. Sie liebt ihre Heimat, aber sie liebt auch den feindlichen Feldherrn, der sie verwüstet hat. Auch sie kann nicht handeln, daher will sie im Nil sterben.
3. Verdi: Aida (1871)
Nilarie (3.Akt)
Leontyne Price
Orchester des Opernhauses Rom
Georg Solti
Band vorproduziert 6'39
Leontyne Price war Aida, als sie an den Ufern des Nil auf den Mann wartete, von dem ihr Schicksal abhing. Ein viel fürchterlicheres Warten steht ihrer Rivalin Amneris bevor, die vorerst noch die Oberhand hat. Bald, im vierten Akt, wird die Pharaonentochter warten. Sie wird auf den Geliebten warten, den sie verriet, sie wird auf das Tribunal warten, das ihn zum Tode verurteilt. Sie wird machtlos sein. Diese große Warte-Szene sucht an düsterer Wucht ihresgleichen. Amneris stürzt aus der Sicherheit ab in die Ohnmacht und ist deshalb auch die interessantere Figur als Aida.
Verdis Opern sind voll von solchen Frauen. Amelia weiß im "Maskenball" nur nicht, dass sie eigentlich auf den Mann wartet, von dessen Liebe sie sich an diesem unheimlichen Ort, dem Friedhof um Mitternacht, durch ein Zauberkraut befreien will. Zum Irrationalen greift sie also - weil auch sie nicht handeln kann, sondern sich nur als Ohnmächtige sieht.
"La Traviata" wartet auf den Geliebten. Im letzten Akt verbindet sich Violettas Warten auf Alfred und seinen Vater mit ihrem Warten auf den Tod. Rigolettos Tochter Gilda wartet vor der Tür, als um das Leben ihres untreuen Geliebten geschachert wird, und sie handelt nur, um ihr Leben für seines zu opfern. Besonders grausame Züge nimmt das Warten der liebenden Frau in "Don Carlos" an. Elisabeth musste den Vater ihres Geliebten Carlos heiraten. Im 5. Akt erinnert sie sich im Kloster San Juste an den Treueschwur auf eine Ewigkeit, die nur einen Tag Dauer hatte. Sie wartet hier auf Carlos, weil auch ihr jede Entscheidungsmöglichkeit genommen war. Sie war nur ein Opfer der von den Männern angerichteten Verwicklungen. Am Grabmal Karls V. bricht sie mit dem Warten und wendet es in religiöse Demut. Nur der völlige Verzicht auf ein eigenes Leben beendet ihr Warten.
4. Verdi: Don Carlos (1867/84)
Arie der Elisabeth (5.Akt)
Montserrat Caballé
Orchester des Kgl. Opernhauses Covent Garden
Carlo Maria Giulini
Band vorproduziert 5'30
Montserrat Caballé war das, mit dem zweiten Teil der Arie der Elisabeth aus dem 5. Akt von Verdis "Don Carlos". Die Männer verwüsten die Erde mit ihren Waffenzügen und an ihrer Machtpolitik scheitern auch die Liebesbeziehungen. Die Frau steht ohnmächtig da und wartet. Es ist meist nicht erfreulich, was das Schicksal ihr dann zuwirft.
Die Oper lebt davon, die großen Gefühle anzuhalten, sie zu einer kleinen Ewigkeit auszudehnen. Das Publikum genießt das, weil es seine kleinen und großen Alltagsleiden so verklärt sieht. Hier geschieht es, dass der Augenblick, der so schön ist, verweilen darf. Und nicht wenigen der Frauen, die im 19. Jahrhundert die Oper besuchten, ging es so, dass sie ihr Leben für das des Mannes aufgegeben hatten. Die Männer andererseits sahen so tugendreine Frauen gern, die ihre Rolle auch bis zur bitteren Neige ausschöpften.
5. Lortzing: Der Waffenschmied (1846)
Arie der Marie (3.Akt)
Lotte Schädle
Orchester der Bayer. Staatsoper München
Fritz Lehan
Band 0-28 798 4'20
Lotte Schädle war die Sängerin, Albert Lortzing der Komponist, ein Mann wie alle in dieser Sendung. "Wir armen, armen Mädchen", klagte die Marie aus dem Waffenschmied von 1846. Sie nahm im Biedermeier heiter, was in der Oper sonst zu großen tragischen Szenen führt, nämlich dass die Frau statt zum Handeln zum Warten verdammt ist. So leicht und lieblich ist wohl nur noch das Warten Agathes im Freischütz, eine Generation früher, 1821. Es ist vielleicht kein Zufall, dass die meisten dieser Arien wartender Frauen aus Opern des 19. Jahrhunderts stammen. Es werden Ihnen selbst genügend Beispiele dafür einfallen. Richard Wagners Senta im "Fliegenden Holländer" ist nur scheinbar eine Ausnahme. In ihrer Ballade - sie ist gerade mit dem typisch weiblichen Zeitvertreib des Spinnens beschäftigt - fantasiert sie sich den Traummann herbei. Und plötzlich kommt der Ausbruch "Ich sei's, die ihn erlöst" über sie, doch das geschieht nur deshalb, weil der Holländer gerade angekommen ist und gleich über die Schwelle treten wird: Sentas Warten geht gerade zuende.
Tannhäusers verlassene Geliebte Elisabeth geht am Warten zugrunde; nach ihrem Gebet, das ja auch eine Warte-Arie ist, stirbt sie. Erst die späteren Frauenfiguren Wagners sind anders. Sieglinde hat zwar auf Siegmund gewartet, aber das war vor Beginn der Oper. Fricka ist eine starke Frau, die Wotans Freiheit des Handelns einzuschränken versteht. Auch die Brünnhilde der Götterdämmerung wartet nicht auf Siegfried, durch ihre Liebe ist sie ganz Gegenwart geworden. Und Kundry im "Parsifal", sie handelt unentwegt, sprachlos und anscheinend auch planlos - Wagner hat ihr eine seltsame Frauenrolle zugeschrieben - sie ahnt alles, tut es im rechten Augenblick, Warten hat da keine tragische Dimension mehr.
Puccini ist dagegen reine Sentimentalität. Das Warten ist keine Haltung mehr, sondern ein Zustand. Madame Butterfly wartet eine ganze Oper lang, sie ist schon eine Zeitgenossin von Faurés Penelope. Auch die Ariadne von Richard Strauss wartet eine Oper lang bis "er" kommt: "Kommt der neue Gott gegangen, hingegeben sind wir stumm" spottet Zerbinetta. Männer warten nicht. Männer singen Aufbruchsarien. Mögen sie auch im Augenblick am Handeln gehindert sein, sie fantasieren dennoch von der Aktion, stehen immer auf dem Sprung. Nur ein Mann wartet, aber dafür musste er zuvor in Ketten geschlagen werden.
6. Beethoven: Fidelio (1805/14)
Arie des Florestan (2.Akt)
Jon Vickers
Orchester des Kgl. Opernhauses Covent Garden
Otto Klemperer
Platte Melodram MEL 407 5'05
Achtung: ab 5'35
Jon Vickers sang die Arie des Florestan aus Beethovens "Fidelio", hier in einem Live-Mitschnitt aus dem Königlichen Opernhaus Covent Garden unter der Leitung von Otto Klemperer - das seltene Beispiel eines Mannes, der zum Warten verdammt ist. Überhaupt ist es Zeit für Gegenbeispiele, denn die Oper kennt natürlich auch den anderen Frauentyp, der nicht wartet, sondern den Mann vernichtet, der sie warten lässt.
7. Bizet: Carmen (1875)
Seguidilla (1.Akt)
Grace Bumbry
RSO Berlin
Janos Kulka
Band 0-22 197 1'49
Grace Bumbry sang die Seguidilla der Carmen. Carmen ist das sinnliche Weib, das den Mann bedroht. Sie bemerken schon den Unterschied in der Wortwahl, ich halte mich damit nur an die Unterscheidung der beiden Frauentypen durch Sigmund Freud, der darlegte, dass die Männer zwei Rollen in die Frau projizieren, bzw. die Frau in zwei Wesen aufspalten: die Heilige und die Hure, die Madonna und die Verführerin, die weiße Frau und das sinnliche Weib, und eben Michaela und Carmen.
Warten wird nur die weiße Frau. Das sinnliche Weib täuscht das Warten nur vor oder nimmt tödliche Rache dafür. Drei alte Mythen bieten sich dafür an: Salome, Judith und Dalila. Salome wurde von Johannes verschmäht und forderte dafür seinen Kopf - Richard Strauss lässt sie die Lippen des abgeschlagenen Kopfes küssen. Judith ist eine Heldin. Sie vernichtet den feindlichen Feldherrn und rettet ihr Volk. Sie lockt Holofernes mit ihrer Sinnlichkeit ins Bett - singt danach in der "Judith" von Siegfried Matthus noch eine Wartearie vor dem Zelt - und schlägt ihm dann im Schlaf den Kopf ab. Judith wurde vor allem in der Malerei immer wieder verherrlicht und hatte auf malende Frauen große Anziehungskraft - Artemisia Gentileschis Bild im Palazzo Pitti in Florenz ist ein berühmtes Beispiel.
Pervers ist in der Oper Dalila, denn sie ist feindliche Philisterin und bedroht den Feldherrn der Hebräer, den schönen, starken Samson. Schaudern soll es uns, wenn sie ihn mit orientalischen Tänzen umgarnt, wie in der Oper von Saint-Saëns. Sie taucht erst gegen Ende des ersten Aktes auf, aber dann singt sie so verlockend vom Frühling, dass dem Samson das Blut klopft. "Wenn die Nacht hereinbricht, setze ich mich weinend ans Ufer des Bachs und warte auf ihn", singt Dalila. Dann entlockt sie ihm sein Geheimnis, schneidet ihm das lockige Haar ab und sticht ihm die schönen Augen aus. Das heimliche Thema der Oper ist die Kastrationsangst.
8. Saint-Saëns: Samson et Dalila (1877)
Arie der Dalila (1.Akt)
Agnes Baltsa
SO des BR
Colin Davis
CD Philips 426 243-2 LC 0305 3'40
Achtung: take 9 / schnell ausblenden!
Agnes Baltsa sang die Warte-Arie der Dalila aus dem ersten Akt der Oper "Samson und Dalila" von Camille Saint-Saëns. Indem Dalila das Warten nur vortäuscht, es zum Teil ihres Verführungsplans macht, reiht sie sich unter die aktiven Frauen ein, die in der Operngeschichte nicht in der Überzahl sind. Das klassische Beispiel für die reine, treue Frau, die zum Opfer männlicher Willkür geworden ist, hat Mozart mit der Gräfin in der "Hochzeit des Figaro" geschaffen.
Mozarts Frauenrollen sind noch frei von der Sentimentalität vor allem der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und des Anfangs des unseren. Seine Frauen trauern, sind zornig oder verzweifelt, aber sie bewahren Haltung und verfallen nicht in Selbstmitleid. Mozarts Frauen sind tiefgründiger als die des 19. Jahrhunderts, vielschichtiger und daher auch interessanter. Welche Haltung bewahrt die Gräfin im "Figaro", wenn sie trauert: "Dove sono i bei momenti" - "Wo sind die schönen Augenblicke geblieben?"
9. Mozart: Le nozze di Figaro (1786)
Arie der Gräfin (3.Akt, Nr.19)
Lisa della Casa
Orchester der Wiener Staatsoper
Erich Kleiber
Band vorproduziert 4'30
Lisa della Casa sang die Arie der Gräfin aus dem dritten Akt der "Hochzeit des Figaro" von Mozart. Sie bewahrt Haltung auch im Unglück, ist eine selbstbewusste Frau. Im 20. Jahrhundert gibt es eine Persiflage auf Mozarts Gräfin, die das Klischee dieser Haltung in die Massengesellschaft verpflanzt. Irgendein langweiliges Wesen kann als Gattin von Tricky Dick heute First Lady werden und sich dann auch wie eine Gräfin fühlen: "Für mich ist jeder Tag wie Weihnachten", zwitschert Pat Nixon in der Oper "Nixon in China" von John Adams.
10. Adams: Nixon in China (1987)
Arie der Pat Nixon (2.Akt, 1.Szene)
Carolann Page
Orchestra of St.Luke's
Edo de Waart
Platte WEA Elektra Nonesuch 979 177-1 LC 0286 3'32
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Das war Carolann Page mit der Szene der Pat Nixon, aus dem 2. Akt der Oper "Nixon in China" von John Adams. Pat Nixon hat lange genug gewartet, zu ihr ist das Glück gekommen und die ist entschlossen, es in vollen Zügen zu genießen. In den 20er Jahren hatte es zunächst so ausgesehen, als sei endlich Schluss mit den Frauen auf der Opernbühne, die immer nur ohnmächtig dasitzen und warten. In den frühen Opern von Hindemith und Weill wird man dergleichen vergeblich suchen. In "Neues vom Tage" von Hindemith haben sich die beiden schon am Anfang der Oper längst über, und wenn die Frau auf etwas wartet, dann auf die Scheidung. "Ja da kann man sich doch nicht gleich hinlegen, da gibts überhaupt nur: nein" heißt es in der Dreigroschenoper und "Nimm die Pfeife aus dem Maul, du Hund" in Happy End. Wenn hier die alte Frauenrolle durchschimmert, dann als Parodie.
Doch viele Jahre später hat Penelope, die unermüdlich Wartende, noch eine andere Leidensgenossin bekommen. Jean Cocteau schrieb den Text zu dem Melodram "Die menschliche Stimme" von Francis Poulenc, das 1959 uraufgeführt wurde. Hier ist das Drama vollständig reduziert auf die wartende Frau. Vom entschwundenen Liebhaber blieb nur seine Stimme im Telefonhörer. Am Ende des oft unterbrochenen Gesprächs ist die wartende Frau tot. Wir hören zum Abschluss einen Ausschnitt mit Denise Duval.
11. Poulenc: La voix humaine (1959)
Ausschnitt
Denise Duval
Orchester der Opéra Comique Paris
Georges Prêtre Band Achtung: von 16'35 abfahren um 19h13'15"
Mit diesem Ausschnitt aus Poulencs "La voix humaine" ist der heutige Opernplatz zuende. Am Mikrophon verabschiedet sich Bernd Feuchtner.
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